Gerberei (Lehrberuf) - Lehrzeit: 3 Jahre

English: Tanning (Tanner)

Berufsbeschreibung

Gerber*innen verarbeiten Großviehhäute und Kleintierfelle zu Leder. Großviehhäute stammen vorwiegend von Rindern, Kleintierfelle von Ziegen und Schafen. Das Erzeugnis der Gerber*innen ist Leder für Möbel, Schuhe, Handschuhe, Taschen, Bekleidung, Riemen usw. Gerber*innen arbeiten mit speziellen Gerber- und Spaltmaschinen, Färbetrommeln usw. und verwenden Gerbstoffe, Farben und Imprägniermittel.

Sie arbeiten meist in gewerblichen Werkstätten in wenigen Fällen auch in der Lederindustrie, zusammen mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten zusammen und haben Kontakt zu Kund*innen und Lieferant*innen.

Gerber*innen behandeln Häute mit pflanzlichen Gerbstoffen wie Rinden, Hölzer und Blätter (Rotgerberei) und erzeugen daraus Leder für Möbel (z. B. Sitzgarnituren und Autositze, Schuhe und Riemen). Bei der Behandlung der Häute mit mineralischen Gerbstoffen, wie Chrom- und Aluminiumsalze (Weißgerberei) oder mit fetten Gerbstoffen wie Fischölen (Sämischgerberei) werden Leder für Bekleidung, Handschuhe, Taschen, Riemen usw. hergestellt. Die Ausgangsmaterialien für die Gerbung sind Häute und Felle von Rindern, Ziegen und Schafen. Die Umwandlung der Haut in Leder findet während der Gerbung statt.

Vor dem Gerben beginnen Gerber*innen damit, Häute und Felle zu sortieren und sie auf Fehler zu untersuchen. Die zu bearbeitenden Häute und Felle sind bereits durch Einsalzen von den Lieferfirmen konserviert oder sie werden "grün" (ohne Vorbehandlung) angeboten. Gerber*innen "weichen" nun die Häute ein, d. h. sie legen sie zur Reinigung in Wasser. Dadurch quellen die Häute auf. Danach "äschern" sie die Häute, d. h. sie entfernen die Haare der Haut unter Zusatz von  Chemikalien. Sie "blößen" die Häute, d. h. sie entfleischen sie mit Messerwalzen und "spalten" sie in Spaltmaschinen. Dadurch trennen sie den minderwertigen "Fleischspalt" vom ästhetisch anspruchsvolleren "Narbenspalt" (Außenteil der Haut). Sie waschen nun die Häute, um Enthaarungschemikalien zu entfernen und lösen restliche Haar- und Fettreste durch Beizmittel.

Gerber*innen legen dann die vorbereiteten Häute in Fässer ein und fügen Gerbstofflösungen aus Blättern, Rinden und Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalzen oder Fischölen hinzu. Sie lassen die Häute in der Gerbstofflösung zum Gerben liegen. Vor allem in der industriellen Lederproduktion werden die Gerbfässer auch durch spezielle, oft computergesteuerte, Maschinen ersetzt. Hier sind Gerber*innen auch für einfache Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten zuständig.

Danach entnehmen sie diese, pressen das aufgenommene Wasser an einer Abwalkpresse ab und walzen die Häute gleichmäßig. Sie färben und fetten Häute mit Farb- und Fettlösungen, trocknen und bügeln sie und färben sie abschließend ein weiteres Mal. Bei Velours- und Nubukleder schleifen sie vor der Zurichtung eine Seite des Leders an, damit der für diese Lederarten typische Samteffekt erzielt wird.

Gerber*innen arbeiten mit Gerbfässern, an speziellen Gerbermaschinen, Färbetrommeln, Abwalk- und Walzmaschinen, Spaltmaschinen sowie Maschinen und Einrichtungen zum Entwässern und Trocknen von Leder, zum Bürsten, Glätten, Prägen und Aufbringen von Farben und Imprägniermitteln. Sie setzen verschiedene Messer, Maßbänder usw. ein. Sie verwenden die Gerbstofflösungen (aus Blättern, Rinden, Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalze, Fischöle), Beizmittel (u. a. eiweißabbauende Enzympräparate) und verschiedene  Chemikalien.

Auch in der Lederproduktion hat die moderne Produktionstechnik Einzug gehalten. Vor allem in Industriebetrieben arbeiten Gerber*innen mit modernen elektronisch bzw. digital gesteuerten Produktionsmaschinen und -anlagen und nutzen branchenspezifische  CAD- und  CAM -Softwareprogramme für die Verarbeitung und Veredelung der Lederprodukte.

Gerber*innen arbeiten in kleingewerblichen Werkstätten von Lederherstellungsbetrieben oder in einer der wenigen österreichischen Lederindustriebetriebe. Sie arbeiten gemeinsam mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten und haben Kontakt zu Kund*innen und Lieferant*innen. Vor allem in den Industriebetrieben, wo das Leder direkt verarbeitet wird, haben Sie auch Kontakt zu Berufskolleg*innen, die das Leder weiterverarbeiten (z. b. Bekleidungsgestaltung - Kürschner*in und Säckler*in (Modullehrberuf), Sattlerei (Lehrberuf), Handschuhmacher*in (Lehrberuf)).

Die Verarbeitung von Häuten und Fellen zu Leder ist von viel Einsatz von Wasser und  Chemikalien sowie starker Geruchsbelastung geprägt.

  • die Rohware (Häute, Felle) auf Fehler prüfen, sortieren, lagern und für die weitere Verarbeitung vorbereiten
  • Häute "einweichen": durch Einlegen in Wasser reinigen
  • Häute "äschern": die Haare der Haut unter Zusatz von  Chemikalien entfernen
  • Häute "blößen" (=mit Messerwalzen entfleischen) und in Spaltmaschinen "spalten" (= Trennung des minderwertigen "Fleischspalts" vom ästhetisch anspruchsvolleren "Narbenspalt")
  • Häute waschen, um Enthaarungschemikalien zu entfernen, restliche Haar- und Fettreste durch Beizmittel lösen
  • vorbereitete Häute in Fässer einlegen oder mit Maschinen gerben
  • pflanzliche (Blätter, Rinden, Hölzer), mineralische (Chrom- und Aluminiumsalze) oder synthetische Gerbstofflösungen hinzufügen, Häute in der Gerbstofflösung liegen lassen
  • Häute aus der Gerblösung entnehmen, aufgenommenes Wasser an einer Abwalkpresse herauspressen, Häute gleichmäßig walzen
  • Häute mit Farb- und Fettlösungen färben und fetten, trocknen, nachgerben, falzen, finischen und bügeln oder prägen
  • Maschinen- und Anlagen zur modernen Gerberei steuern und überwachen
  • Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an den Maschinen und Anlagen durchführen
  • Qualität des Verarbeitungsprozesses und der Endprodukte kontrollieren
  • Gerbeabteilungen von Industrieunternehmen der Lederherstellung
  • kleine und mittlere Gewerbeunternehmen der Ledererzeugung

Gerber*in ist in Österreich ein Nischenberuf und wird primär in gewerblichen Kleinbetrieben ausgeübt. Die Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten sind daher eher begrenzt und ergeben sich oft in angrenzenden, anderen Berufsbereichen im Textil-, Leder- und Modebereich.
Grundsätzlich sind mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung beispielsweise folgende Spezialisierung möglich:

  • industrielle Gerberei
  • Reinigung, Reparatur und Pflege von Lederprodukten
  • Entwicklung neuer Gerberei und -Lederveredelungsmethoden
  • ökologisch nachhaltige und umweltfreundliche Gerberei
  • Qualitätsmanagement, Qualitätskontrolle

Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten (Auswahl):

Hier finden Sie ein paar Begriffe, die Ihnen in diesem Beruf und in der Ausbildung immer wieder begegnen werden:

 Dollieren Rotgerben Sämischgerben Weißgerben

Berufsinfo-Videos

* Bayerischer Rundfunk: Ich mach's! Gerber*in

* Deutsches Video: Beachte, dass in Österreich die Ausbildung anders geregelt ist!

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